Werbung - Fluch und Segen im Netz

2015 - mein Start auf Instagram als private Person. Ich hab mir ein neues Küchengerät gekauft und stelle es auf Instagram online weil ich stolz darauf bin und weil man da so coole Filter urüberlegen kann. Zwei Wochen später poste ich ein Foto von meinem Hund, 3 Tage danach ein Selfie von mir, danach mal mein Mittagessen und ein Foto meines Cappuccinos auf dem Balkon. 5 Jahre später verdiene ich Geld damit. Was ist passiert?

 

Der Testimonialwert einer Person

Die Werbeindustrie setzt schon lange auf das Gesicht hinter der Marke. Berühmte Models oder Promis werden gerne gebucht um eine Marke entsprechend zu präsentieren. Je berühmter das Model, desto höher die Gage. Ich weiß noch als ich meine erste Anfrage von einer Firma bekam. Es war irgendwann 2015 und ich erhielt ein kleines Paket mit Biokosmetikproben unterschiedlicher, unbekannter Marken. Im Gegenzug dafür sollte ich "nur" einen Post auf Instagram veröffentlichen. Ich dachte tatsächlich, dass das ziemlich cool sei sowas zu bekommen! Ich erhielt das Produkt schließlich "einfach so! Den Wert meines Instagramauftritts kannte ich damals noch nicht. Ich ließ es zu, dass Unternehmen auf meinem Profil Werbeanzeigen platzierten und ich dafür billige Produkte bekam. Ich kann mich heute nur riesig darüber ärgern und den Kopf schütteln.

 

Influencer sind nichts als "Beeinflusser"

Hinter jedem Profil steckt ein Gesicht. Ob man das Wort Influencer nun mag oder nicht, man kommt heute nicht mehr daran vorbei und eines ist sicher: Jeder beeinflusst andere Menschen. Wenn ich meiner besten Freundin etwas zeige und sie es danach kauft habe ich sie beeinflusst. Wenn ich meiner Mama beim Shoppen sage, dass sie den Pullover unbedingt kaufen muss, weil er ihr so gut steht, habe ich sie beeinflusst. Wenn ich im Büro meinen Kaffee aus einer besonders schönen Kaffeetasse trinke und mein Arbeitskollege nun dieselbe möchte, hab ich ihn beeinflusst und wenn ich auf Instagram meine Empfehlung für ein gewisses Produkt ausspreche, dann beeinflusse ich meine Zuschauer. Für mich macht das keinen Unterschied WEN ich beeinflusse. In diesem Bereich bin ich mein eigener Chef. Ich entscheide was ich zeige und was nicht und ich entscheide auch ob ich mit Firma XY zusammenarbeiten möchte oder eben nicht.

 

Eine Firma schreibt mich an - oder darf ich auch auf Firmen zugehen?

Ich kann mich auch noch erinnern, dass es vor 1-2 Jahren als ziemlich uncool galt, Firmen selbst anzuschreiben. Wurdest du allerdings von einer Firma angeschrieben warst du der King. Es gab da mal eine Werbekampagne eines Uhrenherstellers. Tausende von Influencern wurden angeschrieben und mit Gratisuhren versorgt. Egal ob Beauty- oder Gartenblogger. Über Wochen sah man bei Instagram nichts anderes mehr (Heute das Gleiche mit Gewürzen, Detoxtees, Haarmasken und Lippenstiften) und dadurch, dass jeder Werbung dafür machte ging es einem einfach nur noch auf die Nerven. Beim Uhrenhersteller ging der Schuss nach Hinten los und heute spricht eigentlich keiner mehr über ihn. Einer der Gründe weshalb ich mittlerweile oft dazu übergangen bin, die Firmen selbst anzuschreiben, schließlich entscheide ich was ich gerne bewerben möchte, welche Produkte ich toll finde und ob ich Teil einer solch großen Kampagne sein möchte.

 

Welche Möglichkeiten gibt es denn um Geld über Instagram zu verdienen?

1. Produktplatzierungen: Eine Firma möchte mit dir arbeiten und bezahlt dich für eine Produktplatzierung in einem Post oder in deiner Story.

2. Affiliate Links: Du bindest bestimmte Links in deine Story ein (Stark im Fashionbereich zu beobachten). Kauft jemand über diesen Link, erhältst du Provision. Das ist quasi ein Dankeschön für deine Empfehlung. Für den Käufer ändert sich dadurch nichts.

3. Pro Click Vergütung: Du stellst einen Link online und wirst pro Click auf den Link bezahlt.

 

Warum bezahlen die Firmen mich als Influencer?

Der Schlüssel hierzu ist die Reichweite die man generiert. Ein Rezeptpost über eine Schupfnudelpfanne generierte bei mir eine Reichweite von über 309.000 Views. Das bedeutet, dass 309.000 verschiedene, einzelne Personen dieses Foto gesehen haben. Insgesamtt wurde mein Foto 466.000 mal aktiv angeklickt. Nehmen wir mal an, das wäre eine Werbeanzeige gewesen. Denkt ihr 300.000 Leser einer Kochzeitschrift aus dem Supermarkt schauen sich AKTIV die kleinen Werbeanzeigen am unteren Rand an? Wohl kaum. Einer der Gründe weshalb die Firmen oft einen Einblick in die Statistik haben wollen. Was nützt mir ein Influencer mit 250.000 Followern wenn er pro Foto aber nur 1.500 Likes und eine Reichweite von 25.000 Views hat? Die Anzahlt der Follower sagt nichts über die "Qualität" des Influencers aus, das ist spätestens seitdem man Follower kaufen kann klar.

 

Was braucht man um so richtig loslegen zu können?

Leider hab ich hier kein Geheimrezept. Ich bin froh, dass ich online so sein kann, wie ich es auch im echten Leben bin. Alles andere wäre auf Dauer nicht zu halten. Sei du selbst, produziere gute Inhalte mit Mehrwert und finde etwas das dich begeistert.

 

Ich stecke an einem normalen Tag ca. 5 Stunden in meinen Account. Der Wert meines Equipments (Kameras, Stative, Drucker) liegt schon lange im 4-stelligen Bereich und Feierabend hat man quasi nie. Freie Wochenenden, Feiertage oder Urlaub gibt es so nicht mehr (Was für mich auch ok ist, sonst könnte ich es ja ändern ;) ) Und wenn du dann dein erstes Geld verdient hast, klingelt das Finanzamt, das wissen nämlich viele auch nicht: Jedes einzelne "Gratisprodukt" und jeder Euro den ich einnehme, muss versteuert werden.

 

Ihr seht, das Thema ist unfassbar umfangreich und ich musste jetzt einfach alles mal kurz aufschreiben was mich gerade so beschäftigt. Ich möchte hier gerne weiter aufklären und euch aufklären wie das im Instagrambusiness so abläuft. Ich möchte euch aber auch zeigen, wie viel Arbeit dahinter steckt und plane deshalb noch mindestens einen weiteren Post dazu bzw. vielleicht sprechen wir auch mal live bei Instagram drüber?

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Kommentare: 1
  • #1

    Olaf (Mittwoch, 06 November 2019 01:29)

    Japp, das wissen viele nicht!